Pumalín Douglas Tompkins National Park
Douglas Tompkins (1943-2015) war ein US-amerikanischer Umweltaktivist, Unternehmer, Gründer und Chef der Textilmarken The North Face und Esprit Holdings. 1989 verkaufte er seine Anteile an Esprit für 250 Millionen Dollar und zog nach Chile. Dort erwarb er 1991 gemeinsam mit seiner zweiten Frau Kris Tompkins das 17.000 Hektar große Landgut „Reñihué“, um das mit Regenwald bewachsene Gelände vor der Ausbeutung zu schützen. Er gründete die Tompkins Conservation (damals noch unter dem Namen "The Conservation Land Trust"), mit dessen Hilfe er weitere Grundstücke erwarb. Ziel war es, ein zusammenhängendes Schutzgebiet zu schaffen. 2018 wurde ein insgesamt 402.000 Hektar großer Nationalpark gegründet, zu dem die Tompkins Conservation rund 300.000 Hektar beitragen konnte. Zu Ehren seines Gründers lautet die offizielle Bezeichnung "Pumalín Douglas Tompkins National Park". Verwaltet wird der Park von der chilenischen Forstbehörde CONAF (Corporación Nacional Forestal).
Von Beginn an war man sich bewusst, dass die Anrainer des Parks einbezogen werden müssen, um ein breites kulturelles Verständnis für die Wildnis und die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu schaffen. Das Projekt kann nur gelingen, wenn sowohl der Naturschutz als auch ein Beitrag zur lokalen Wirtschaft erreicht wird. Daher wurden zum Beispiel Bauernhöfe mit Aktivitäten wie Viehzucht, Käseherstellung, Wollhandwerk, Honigproduktion und Ökotourismus am Projekt beteiligt. Einige fungieren gleichzeitig als Parkranger-Station oder Besucherinformationszentrum. Viele Einheimische haben im Umfeld des Parks eine Beschäftigungen gefunden, sei es als Ranger, im Besucherzentrum oder bei der Unterbringung und Betreuung der Gäste.
Eines der zentralen Anliegen von Tompkins war die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Das Pumalín-Schutzgebiet ist reich an Flora, mit vielen endemischen Arten und Unterarten. Der immergrüne Laubwald, in Chile als "Valdivianischer Regenwald" bekannt, umfasst Tausende von Pflanzenarten. Von der Küste bis auf etwa 500 m über dem Meeresspiegel wachsen Olivillo (Aextoxicon punctatum), Scheinbuchen (Nothofagus) und eine große Zahl weiterer immergrüner Laubbaumarten, wie Chilenische Scheinulme (Eucryphia cordifolia), Winterrinde (Drimys winteri), Tineo (Weinmannia trichosperma), Kerzenbaum (Parmentiera cereifera) und verschiedene Lorbeer-, Myrten- und Silberbaumgewächse. Es gibt zudem einige Nadelbaumarten wie Patagonische Eibe (Saxegothaea conspicua), Steineibe (Podocarpus nubigenus) und Flusszeder (Pilgerodendron uviferum).
Nationalpark Pumalín
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Beindruckend sind die mächtigen Patagonischen Zypressen oder Alerce (Fitzroya cupressoides). Sie können eine Höhe von 55 Metern und einen Stammdurchmesser von über 3,5 Meter erreichen. Sie wachsen sehr langsam und können sehr alt werden. Die älteste Patagonische Zypresse wurde auf ein Lebensalter von 3600 Jahren datiert. Die Art wird von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) als stark gefährdet (Endangered) eingestuft. Der internationale Handel ist verboten.
Die Größe und die Vielseitigkeit des Parks bietet den Besuchern eine große Bandbreite zwischen Faulenzen am Strand und Wanderungen auf unterschiedlich anspruchsvollem Terrain. Nicht ganz einfach ist der Sendero Cascadas Escondidas, der zu drei Wasserfällen führt. Die Strecke für Hin- und Rückweg beträgt 3,6 Kilometer. Es wird empfohlen, 2 bis 3 Stunden einzuplanen, denn der Weg führt an einigen Stellen über Baumwurzeln, Felsen, Holzstege und Holztreppen. Diese Stellen sind häufig feucht, mit Moos bewachsen und daher rutschig.
Auch die Vielfalt der Tierwelt im Nationalpark ist beeindruckend, auch wenn wir hier nur einen winzigen Bruchteil dieser Vielfalt zeigen können. Bleibt zu hoffen, dass es den Verantwortlichen gelingt, das Bestreben zur Erhaltung der biologischen Vielfalt auch in Zukunft erfolgreich umzusetzen. Gerne hätten wir den Südpudu (Pudu puda) gesehen, was uns leider nicht gelungen ist. Mit einer Schulterhöhe von nur 35 bis 38 cm und einem Gewicht von 6 bis 8 kg gehört er zu den kleinsten Vertretern aus der Familie der Hirsche. Lediglich der Nordpudu (Pudella mephistophila) aus den nördlichen Anden in Kolumbien, Ecuador und Peru ist noch ein wenig kleiner.
Schwarzkehltapaculo
(Pteroptochos tarnii)
Rotkehltapaluco
(Scelorchilus rubecula)
Truthahngeier
(Cathartes aura)
Anden-Rabengeier
(Coragyps atratus foetens)
Chimanogokarakara
(Phalcoboenus chimango)
Hummel
(Bombus dahlbomii)
Orangenbauch-Eidechse
(Liolaemus pictus)
Orangenbauch-Eidechse
(Liolaemus pictus)
Magellandrossel
(Turdus falcklandii magellanicus)
Graukopfgänse
(Chloephaga poliocephala)
Schwarzzügelibisse
(Theristicus melanopis)
Dominikanermöwe
(Larus dominicanus)
Kordillerenammertangare
(Phrygilus gayi)
Maskengrundtyrann
(Muscisaxicola maclovianus)
Magellantaucher
(Podiceps major)
Weißkronen-Olivtyrann
(Elaenia albiceps)
Unterwegs auf der Carretera Austral (Ruta 7)
Der Weg zum Pumalín Douglas Tompkins National Park aus südlicher Richtung führt über die Ruta 7, besser bekannt als Carretera Austral. Unterwegs gibt es eine Vielzahl interessanter Aussichtspunkte, wie zum Beispiel Mirador Río Frío, Mirador Chuca oder Mirador Lago Yelcho. Nur wenige Kilometer vor dem Nationalpark führt die Carretera Austral direkt am Lago Yelcho entlang. Der See hat eine Fläche von 116 km², ist im Durchschnitt 110 Meter tief, wobei die maximale Tiefe bei ca. 230 Metern liegt. Gespeist wird der See im wesentlichen vom Río Futaleufú und ergänzend von Río Correntoso und Río Roberto. Der Abfluß des Sees bildet den Río Yelcho. Genau dort wurde 1989 die Puente Rio Yelcho, eine 250 m lange Hängebrücke errichtet. Sie gilt als eines der Wahrzeichen der Carretera Austral. Der Lago Yelcho ist umgeben von immergrüner Vegetation, dahinter liegen die hohen, meist schneebedeckten Berge. Aus dieser Kombination ergibt sich ein wunderbares Farbenspiel, vom blauen Wasser über die grüne Vegetation, die grauen Felsen, die weißen Gipfel bis zum blauen Himmel.
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