Nationalpark Torres del Paine
Blick über die Laguna Azul auf die Paine-Bergkette mit den drei "Torres del Paine"
Der Nationalpark Torres del Paine liegt zwischen den Anden und der patagonischen Steppe, 60 km von Puerto Natales und rund 300 km von Punta Arenas entfernt. Paine bedeutet in der Tehuelche-Sprache „himmelblau“, Torres del Paine also „Türme des blauen Himmels“.
Nach der Köppen-Klassifizierung befindet sich der Park in der gemäßigten kalten Regenzeit-Klimazone ohne Trockenzeit. Die Wetterbedingungen sind aufgrund des unterschiedlichen Geländes sehr variabel. Die feuchtesten Monate sind März und April mit Niederschlägen von durchschnittlich 80 mm pro Monat. Das ist doppelt so viel wie in den trockenen Monaten Juli bis Oktober. Der Sommer ist mit Temperaturen unter 16°C recht kühl, der Winter ist relativ streng, mit Temperaturen unter Null. Über das ganze Jahr hinweg gibt es starke Winde, die bis zu 150 Stundenkilometer erreichen können.
Der Nationalpark wurde am 13. Mai 1959 gegründet und umfasst aktuell 227.298 Hektar. 1978 hat die UNESCO das gesamte Gebiet zum Biosphärenreservat erklärt und damit seine reiche Biodiversität und seine Bedeutung als Schutzgebiet gestärkt. Die Einrichtung dieses Nationalparks ermöglichte den Schutz und die Wiederherstellung großer Flächen, die zuvor für die Viehzucht und die Landwirtschaft genutzt wurden, sowie eine Umgestaltung der Wirtschaft der Region mit einem anhaltenden Wachstum des Tourismus und der damit verbundenen Dienstleistungen.
Nationalpark Torres del Paine
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Leider hat der Tourismus auch seine Schattenseiten. Der Park wurde mehrmals von Menschen verursachten Waldbränden ausgesetzt, die große Teile der Vegetation vernichtet haben. Am 10. Februar 1985 ließ ein Tourist eine schlecht gelöschte Zigarettenkippe zurück. Sie löste ein Feuer aus, das fast 14.000 Hektar des Parks verbrannte. Zwanzig Jahre später stürzte ein anderer Tourist einen Kocher um und verursachte ein Feuer, dem mehr als 15.000 Hektar zum Opfer fielen. Ende 2011 wurde der Nationalpark Torres del Paine erneut Opfer eines riesigen Waldbrandes, der mehr als 17.000 Hektar verbrannte, diesmal aufgrund eines Besuchers, der an einem nicht genehmigten Ort Toilettenpapier angezündet hatte.
Die „Torres del Paine“ sind das Wahrzeichen des Nationalparks. Dabei handelt es sich um drei Granitberge, die zwischen 2.600 und 2.850 Meter hoch sind. Der höchste Berg im Park ist der Cerro Paine Grande mit 3.050 Metern.
Große Teile des Nationalparks sind vergletschert. Das Südliche Eisfeld nimmt den gesamten westlichen Teil des Parks ein. Es speist vier Hauptgletscher: von Norden nach Süden sind dies der Dickson-Gletscher, der Grey-Gletscher, der Zapata-Gletscher und der Tyndall-Gletscher. Der größte Gletscher ist der Grey -Gletscher, eine 6 km breite und mehr als 30 Meter hohe Eismasse. Diese speist den Lago Grey, der in der Nähe der Margarita-Lagune in den Río Grey mündet. Der Río Grey geht nach 20 Kilometern in den Río Serrano über und dieser endet letztlich im pazifischen Fjord Seno Ultima Esperanza.
Blick über den Lago Grey auf den Cerro Paine Grande
Blick auf den Lago Grey mit blauem Eis
Ehemalige Hängebrücke über den Río Pingo
Normaler erscheinen Schnee und Eis weiß, weil sich darin Luftblasen befinden. In Gletschern führt Druck dazu, dass die Luftblasen herausgepresst werden, wodurch die Dichte des Eises erhöht wird. Je geringer die Anzahl der Blasen in einem Stück Eis ist, desto mehr Licht kann tiefer in das Eis vordringen und mit den Wassermolekülen interagieren. Die roten, orangefarbenen, gelben und grünen Wellenlängen werden absorbiert, das verbleibende Licht aus den kürzeren Wellenlängen von Blau und Violett werden zurückgeworfen. Je höher also die Dichte des Eises ist, umso länger ist der Weg des Lichts durch das Eis ist und entsprechend weniger blaues Licht kann absorbiert werden. Aus diesem Grund sehen wir blaues Eis. Das Schmelzwasser ist zumeist grau. Wenn Eis über Felsen gleitet, werden Gesteinspartikel gelöst und zermahlen. Dieses Gesteinsmehl verleiht dem Schmelzwasser die graue Farbe.
Die Vielseitigkeit der Flora wurde 1974 in einer großen Studie belegt, in der vier Vegetationszonen beschrieben wurden. Es gibt trockenes Buschland, Patagonische Steppe, Wüste und Wälder, die in Magellan-Laubwälder und immergrüne Magellan-Regenwälder unterschieden werden.
Die abwechslungsreiche Gestaltung der Vegetation ermöglicht eine interessante Tierwelt. Leicht zu beobachten sind Guanakos, Nandus, Enten, Gänse, Schwäne und Kondore. Schwieriger wird es bei Füchsen, Eulen, Gürteltieren oder dem Patagonischen Skunk (Conepatus humboldtii). Ganz schwer zu finden sind Pumas und Guiñas (Leopardus guigna), eine gefährdete einheimische Wildkatze.
Chilepfeifenten (Mareca sibilatrix) und Braunkopfenten (Anas flavirostris flavirostris)
Braunkopfenten
(Anas flavirostris flavirostris)
Chilepfeifenten
(Mareca sibilatrix)
Fuchslöffelente
(Spatula platalea
Argentinischer Kampfuchs
(Lycalopex griseus)
Guanako
(Lama guanicoe)
Schopfkarakara
(Caracara plancus)
Morgenammer
(Zonotrichia capensis australis)
Magellandrossel
(Turdus falcklandii magellanicus)
Smaragdsittich
(Enicognathus ferrugineus)
Darwinnandus
(Rhea pennata pennata)
Chilenischer Uferwipper
(Cinclodes patagonicus chilensis)
Gelbschnabel-Blässhuhn
(Fulica armillata)
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