Cueva del Milodón

Die 200 m tiefe Höhle ist nach dem prähistorischen Riesenfaultier Mylodon benannt

Die Höhle des Mylodon

Die Mylodon-Höhle befindet sich 24 km nördlich von Puerto Natales im Süden Chiles. Sie ist 200 Meter tief, 80 Meter breit und 30 Meter hoch. Entstanden ist sie während der letzten Eiszeit (vor etwa 35.000 bis 14.000 Jahren) durch die Einwirkung eines Gletschers. Der Gletscher trug das Gestein der Cerro-Toro-Formation ab und formte eine Vertiefung in den sedimentären Gesteinsschichten. Als sich das Eis zurückzog, bildete sich in diesem Gebiet ein proglazialer See. Proglaziale Seen sind Seen, die am Fuß einer Gletscherzunge entstehen. Die Wellen dieses Sees trafen auf die Wände der Formation, wodurch nach und nach die weniger erosionsbeständigen Schichten wie Tonstein und Schiefer ausgespült wurden. Als der Gletscher und mit ihm auch der Gletschersee verschwanden, blieben die Mylodon-Höhle und weitere kleinere Höhlen zurück.

Entdeckt wurde die Höhle 1895 vom deutschen Handelsseemann Hermann Eberhard, als er das Land erkundete, das ihm als Konzession für die Besiedlung der Provinz Última Esperanza zugeteilt worden war. Bekannt wurde die Höhle, weil in ihr die Überreste eines Mylodon darwini gefunden wurden. Im Jahr 1968 wurden die Höhle und das umgebende Gebiet vom Bildungsministerium zum historischen Denkmal erklärt. 1993 wurde es zum Naturdenkmal Cueva del Milodón erklärt wird seitdem von der chilenische Forstbehörde CONAF (Corporación Nacional Forestal) verwaltet. Für Besucher gibt es einen 400 Meter langen Rundweg, an dessen Ende sich eine lebensgroße Nachbildung des  Riesenfaultiers befindet.

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Webseite Cueva del Milodón       webseite.png


Das Riesenfaultier Mylodon darwini

Hermann Eberhard entdeckte ein Hautstück in der Größe von ca. einen Quadratmeter, das Osteoderme (Knochen bzw. Hautknochenplatten) enthielt. Dieser Fund war in einem so guten Erhaltungszustand, dass man damals glaubte, es handele sich um die Überreste einer lebenden Art. Eberhard stellte die Funde als Rarität in seinem Landsitz aus und verschenkte gelegentlich ein kleines Stück der Haut an Besucher. Einer dieser Besucher war der schwedische Geologe und Polarforscher Otto Nordenskjöld, nach dem u.a. der Lago Nordenskjöld im Nationalpark Torres del Paine benannt wurde. Er bekam die Erlaubnis, in der Höhle zu graben und fand weitere Hautreste und einige Rippen. Er nahm an, dass die Funde zur Gattung Glossotherium gehörten und verbreitete diese Nachricht in Südamerika und in Europa. In der Folge gab es eine Reihe wissenschaftlicher und pseudowissenschaftlicher Bestrebungen, ein lebendes Exemplar zu finden. Inzwischen ist klar, dass die Fundstücke nicht zu einer lebenden Art gehörten und auch nicht zur Gattung Glossotherium, sondern zu Mylodon darwini, das vor rund 10.000 Jahre ausgestorben ist.

Aus der Gruppe der Faultiere sind heute nur noch die Zweifinger-Faultiere (Choloepus) und die Dreifinger-Faultiere (Bradypus) verblieben. Im Vergleich zu Glossotherium und Mylodon handelt es sich um kleine Tiere, die durchschnittlich 50 cm lang und etwa 5 kg schwer werden. Sie bewohnen tropische Regenwälder in Süd- und Mittelamerika, wo sie sich bevorzugt in den Baumkronen aufhalten.

Mylodon gehört mit einer Gesamtlänge von 3 bis 4 Metern zu den größten Vertretern der Faultiere. Anhand der Schädelausmaße wird ein Gewicht zwischen 1 und 2 Tonnen vermutet. Sie lebten ausschließlich bodenbewohnend. Ein dichtes Fell mit langen Haaren deutet auf ein Leben unter kalten Klimabedingungen hin. Der Name Mylodon wurde von Richard Owen (1804-1892) auf der Grundlage eines fast vollständigen Unterkiefers mit Backenzähnen vergeben, den Charles Darwin am 22. September 1832 während einer Reise mit der HMS Beagle bei Bahia Blanca in Argentinien gefunden hatte.

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Holotypus Mylodon, Owen 1840


Der genaue Grund für das Aussterben von Mylodon ist nicht bekannt. Eine Theorie geht davon aus, dass sich die Vegetation veränderte und die Nahrungsgrundlage beeinträchtigte. Auch vulkanische Aktivitäten könnte das Verschwinden beeinflusst haben. Ob Mylodon bereits von den damaligen menschlichen Bewohnern gejagt und ausgerottet wurde, ist nicht belegt.

Mylodon ist nicht die einzige Art, die in dieser Umgebung bis vor etwa 10.000 Jahren lebte. Es gab auch Macrauchenia, die einem riesigen Guanako ähnelt, das Zwergpferd Hipidion saliasi, die vermutlich einzige Pferdeart aus Patagonien und den Säbelzahntiger Smilodon populator. Die Tafeln sind im Besucherzentrum der Cueva del Milodón zu sehen.